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Petra: Die verlorene Stadt, in Wüstenfels gehauen

4 Min. Lesezeit23. August 2026· 1 Aufrufe

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Inhaltsverzeichnis
  1. Die Nabatäer und die Hauptstadt der Weihrauchstraße
  2. Eine architektonische Sprache aus Stein
  3. Mehr Nekropole als Stadt
  4. Kein Leben ohne Wasser: Nabatäische Ingenieurskunst
  5. Stille nach einem Erdbeben
  6. Die vom Westen vergessene Stadt: Wiederentdeckung 1812
  7. Petra heute: UNESCO und eines der neuen Weltwunder
  8. Quellen

Verborgen hinter einer schmalen Schlucht im Süden Jordaniens trägt Petra eine der eindrucksvollsten Formen, die Menschenhand jemals dem Stein gegeben hat. Die Bauwerke der Stadt wurden nicht errichtet, sondern direkt in die rosafarben-orangenen Sandsteinfelsen gehauen. Der Name „Petra" stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Fels", doch die ursprünglichen Bewohner nannten ihre Stadt in ihrer eigenen Sprache „Raqmu".

Die Nabatäer und die Hauptstadt der Weihrauchstraße

Erbaut wurde Petra von den Nabatäern, einem arabischen Volk nomadischer Herkunft. Sie häuften enormen Reichtum an, indem sie die Karawanenwege kontrollierten, auf denen Weihrauch, Myrrhe und Gewürze aus Südarabien an die Mittelmeerküste und darüber hinaus transportiert wurden. Im Zentrum eines Handelsnetzes gelegen, das von China bis Ägypten und von Griechenland bis Indien reichte, beherbergte Petra in seiner Blütezeit zwischen 10.000 und 30.000 Einwohner — eine außergewöhnliche Zahl für ein trockenes Wüstental.

Dieser Reichtum verwandelte die Stadt von einer bloßen Handelsstation in eine echte Hauptstadt. Mit den von den Karawanen erhobenen Abgaben konnten die Nabatäer sowohl ihre militärische Stärke als auch ihre architektonischen Ambitionen finanzieren.

Eine architektonische Sprache aus Stein

Was Petra von anderen antiken Städten unterscheidet, ist nicht das Baumaterial, sondern die Methode: Mehr als 600 Gräber, Tempel, Weihenischen und Prozessionswege wurden nicht aus herangeschafftem Stein errichtet, sondern direkt aus dem Berg selbst herausgearbeitet. Die Nabatäer verschmolzen hellenistische, ägyptische, assyrische und lokale arabische Bautraditionen zu einem ganz eigenen Stil. Säulenkapitelle, dreieckige Giebel und geometrische Motive an den Fassaden spiegeln die Handelskontakte mit verschiedenen Zivilisationen wider.

Al-Khazneh: Die legendäre Schatzkammer

Das erste Bauwerk, das Besucher erblicken, wenn sie aus der engen Schlucht Sik auf den offenen Platz treten, ist die 39,5 Meter hohe Al-Khazneh („Die Schatzkammer"). Diese heute zum Symbol Petras gewordene Fassade war höchstwahrscheinlich gar keine Schatzkammer, sondern ein königliches Grab oder ein Tempel. Der Name „Schatzkammer" stammt von einer lokalen Legende, wonach ein Pharao Gold in einer steinernen Urne an der Spitze der Fassade versteckt haben soll — ein Glaube, der so hartnäckig war, dass Schatzsucher einst mit Feuerwaffen auf die Urne schossen; die Einschusslöcher sind noch heute sichtbar.

Ad-Deir: Das Kloster auf dem Berggipfel

Weniger berühmt als Al-Khazneh, aber noch größer, ist Ad-Deir („Das Kloster"), das über einen steilen, 800 Stufen umfassenden Pfad vom Stadtzentrum aus erreichbar ist. Diese rund 47 Meter breite Fassade wurde vermutlich als Tempel oder Gedenkstätte für den nabatäischen König Obodas IV. errichtet; ihren heutigen Namen erhielt sie durch christliche Kreuze, die in byzantinischer Zeit in ihr Inneres eingemeißelt wurden — ein Hinweis darauf, dass sie später als religiöser Versammlungsort diente. Da Ad-Deir deutlich weniger Besucher anzieht als Al-Khazneh, gehört es zu den prächtigsten und zugleich ruhigsten Winkeln Petras.

Mehr Nekropole als Stadt

Von den über 600 bislang dokumentierten Gräbern in Petra ist nur ein kleiner Teil ausgegraben — ein Hinweis darauf, dass die Stadt ebenso für die Toten wie für die Lebenden errichtet wurde. Die Nabatäer bestatteten bedeutende Persönlichkeiten in Kammern hinter monumentalen, in den Fels gehauenen Fassaden, wobei Größe und Verzierung der Gräber den sozialen Status widerspiegelten. Archäologen gehen davon aus, dass viele dieser Gräber immer wieder neu genutzt wurden und über Generationen hinweg als Begräbnisstätten einzelner Familien dienten. Dies macht Petra nicht nur zu einem verlassenen Handelszentrum, sondern zu einer Jahrtausende alten „Totenstadt".

Kein Leben ohne Wasser: Nabatäische Ingenieurskunst

Mindestens so beeindruckend wie die Architektur Petras ist sein Wassermanagement. In einer Region, die den größten Teil des Jahres trocken ist, errichteten die Nabatäer ein komplexes Netz aus Dämmen, Zisternen, in den Fels gehauenen Kanälen und Tonrohren, um seltene, aber heftige Regenfälle aufzufangen und für die Trockenzeit zu speichern. Dieses System ermöglichte es einer mehrere Tausend Menschen zählenden Bevölkerung, jahrzehntelang in einem wasserlosen Tal zu überleben. Diese Meisterschaft in der Wassertechnik gilt heute als eine der fortschrittlichsten Leistungen der Antike.

Stille nach einem Erdbeben

Der Niedergang Petras lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen, doch einer der entscheidenden Wendepunkte war das schwere Erdbeben des Jahres 363 n. Chr. Es beschädigte einen bedeutenden Teil der Stadt sowie das lebenswichtige Wassersystem schwer; die Reparaturen blieben nur teilweise erfolgreich. Ein zweites Erdbeben im Jahr 551 verschärfte die Lage weiter. Gleichzeitig verlor die Stadt an wirtschaftlicher Bedeutung, da sich die Handelsrouten zunehmend auf den Seeweg und andere Strecken verlagerten. Unter römischer und später byzantinischer Herrschaft bestand Petra noch eine Weile fort, wurde aber im Zuge des Mittelalters zunehmend aufgegeben und geriet außerhalb der örtlichen Beduinengemeinschaften weitgehend in Vergessenheit.

Die vom Westen vergessene Stadt: Wiederentdeckung 1812

Obwohl Petra jahrhundertelang von den Karten der westlichen Welt verschwunden war, vergaßen die Beduinen der Region die Stadt nie. Ihre „Wiederentdeckung" durch den Westen gelang am 22. August 1812 dem Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt. Verkleidet als Kaufmann unter dem Namen „Scheich Ibrahim", bereiste er die Region und überredete seinen einheimischen Führer, ihn durch die enge Schlucht Sik zu führen — wo er sich plötzlich inmitten gewaltiger, in den Fels gehauener Fassaden wiederfand. Diese Entdeckung weckte im Europa des 19. Jahrhunderts großes Interesse an Petra und ebnete den Weg für spätere archäologische Forschungen.

Petra heute: UNESCO und eines der neuen Weltwunder

1985 wurde Petra aufgrund seines außergewöhnlichen universellen Wertes und seines einzigartigen archäologischen Reichtums in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. 2007 wurde die Stadt in einer weltweiten Abstimmung zu einem der „New7Wonders of the World" gewählt. Ausgrabungen und Erhaltungsarbeiten dauern bis heute an; Archäologen vermuten, dass der sichtbare Teil der Stadt nur ein Bruchteil einer weit größeren Siedlung ist, die noch unter der Erde auf ihre Entdeckung wartet.

Dieser Ruhm brachte jedoch auch eine neue Herausforderung mit sich: den Massentourismus. Bei über einer Million Besuchern pro Jahr ist die Erosion der Sandsteinfassaden durch Wind, Feuchtigkeit und menschliche Berührung zu einem der meistdiskutierten Themen unter Denkmalschützern geworden. Die jordanischen Behörden versuchen, die Stadt mit Maßnahmen wie Besucherbeschränkungen, einem Berührungsverbot für die Fassaden und neuen Besucherrouten sowohl zugänglich als auch geschützt zu halten. Petra bleibt eines der seltenen Beispiele dafür, wie weit nabatäische Ingenieurskunst reichte — und dafür, wie eine Zivilisation aufsteigen, verstummen und erneut die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen kann.

Quellen

PetraJordanienNabatäerUNESCO-WelterbeAl-Khazneh

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