Ein Wort, geboren in der Scherzspalte einer Zeitung
Das Wort "OK", das in fast jeder Sprache der Welt verstanden wird und täglich milliardenfach ausgesprochen wird, hatte lange Zeit einen mysteriösen Ursprung. Volkstümliche Erzählungen führten es auf indianische Sprachen, den französischen Hafenort "aux Cayes", westafrikanische Sprachen oder sogar den griechischen Ausdruck "ola kala" zurück – manche Wörterbücher listeten diese Theorien jahrzehntelang als mögliche Ursprünge. Doch die systematische Zeitungsarchiv-Recherche des Linguisten Allen Walker Read in den 1960er-Jahren brachte schließlich die Wahrheit ans Licht: "OK" wurde am 23. März 1839 in der Boston Morning Post geboren – als reiner Rechtschreibscherz.
Amerikanische Zeitungen jener Zeit pflegten einen merkwürdigen, aber beliebten Zeitvertreib: Autoren schrieben Wörter absichtlich falsch und kürzten diese Fehlschreibungen dann ab – ein Wortspiel, das dem heutigen Internet-Jargon nicht unähnlich ist. "No use" (keine Verwendung) wurde scherzhaft zu "know yuse" verballhornt und zu "K.Y." abgekürzt; "all right" wurde zu "oll wright" und dann zu "O.W.". Ein Redakteur der Boston Morning Post fügte einer spöttischen Spitze gegen eine rivalisierende Zeitung aus Providence die Abkürzung "o.k." hinzu – kurz für "oll korrect", die bewusste Fehlschreibung von "all correct". Dies war die erste dokumentierte Verwendung von "OK" in der Geschichte, und niemand ahnte damals, dass daraus ein zwei Jahrhunderte währendes sprachliches Erbe entstehen würde.
Was das Wort dauerhaft machte: ein Präsidentschaftswahlkampf
Wäre es bei einem bloßen Zeitungsscherz geblieben, wäre "OK" wahrscheinlich wie Dutzende ähnlicher Abkürzungen jener Zeit in Vergessenheit geraten. Was es dauerhaft machte, war ein reiner Zufall: die US-Präsidentschaftswahl von 1840. Der amtierende Präsident Martin Van Buren wurde nach seinem Geburtsort Kinderhook, New York, "Old Kinderhook" genannt.
Van Burens Wiederwahlkampagne gründete in New York "Democratic OK Clubs". Die ein Jahr zuvor als Zeitungsscherz entstandene Abkürzung erhielt so eine zweite, weitaus stärkere Bedeutung: "Old Kinderhook". Wahlkampfabzeichen, Kundgebungen und Zeitungsschlagzeilen verbreiteten das Wort innerhalb weniger Wochen im ganzen Land. Ironischerweise verlor Van Buren die Wahl gegen William Henry Harrison – aber das Wort gewann und löste sich vollständig von seinem politischen Kontext, um dauerhafter Bestandteil der amerikanischen Alltagssprache zu werden.
Das unerwartete Erbe der Old-Kinderhook-Clubs
Historiker betrachten diese Wahlkampfperiode als den Wendepunkt in der Entwicklung von "OK": Zum ersten Mal fand das Wort gleichzeitig Eingang in die Alltagssprache der breiten Masse, in Zeitungsschlagzeilen und in den politischen Diskurs. Die "kritische Masse", die für eine derart schnelle Verbreitung eines Wortes nötig ist, konnte nur durch ein so sichtbares nationales Ereignis erreicht werden.
Warum 'OK' überlebte, andere ähnliche Abkürzungen aber nicht
Keine der Dutzenden ähnlichen Scherzabkürzungen jener Zeit – "K.Y.", "O.W." und andere – hat bis heute überlebt. Linguisten sehen mehrere Gründe dafür: "OK" ist extrem kurz, leicht auszusprechen und besteht aus nur zwei Lauten, die sich leicht an fast jedes Lautsystem anpassen lassen. Zudem trägt das Wort flexible, vielseitige Bedeutungen – Zustimmung ("ja, gut"), Zustand ("alles in Ordnung") oder einfache Bestätigung ("verstanden") –, wodurch es sich leicht in sehr unterschiedliche Kontexte einfügen ließ.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahmen Telegrafisten "OK" wegen seiner Kürze, um den korrekten Empfang von Nachrichten zu bestätigen, was das Wort im technischen Fachjargon weiter festigte. Im 20. Jahrhundert trugen Radio, Hollywood-Kino und schließlich der globale Handel und Tourismus das Wort in Dutzende nicht englischsprachige Länder. Heute gilt "OK" unter Linguisten als eines der weltweit am meisten erkannten Wörter, verstanden in nahezu jeder Sprache in irgendeiner Form.
Warum konkurrierende Ursprungstheorien wissenschaftlich widerlegt wurden
Theorien, die "OK" auf Französisch, Finnisch, Griechisch, Choctaw oder westafrikanische Sprachen zurückführten, wurden jahrzehntelang ernst genommen; manche Enzyklopädien und Wörterbücher listeten sie vorläufig als mögliche Ursprünge. Doch Allen Walker Reads zeilenweise Durchsuchung von Zeitungsarchiven bewies, dass das Wort vor 1839 in keiner schriftlichen englischen Quelle vorkam – was die alternativen Ursprünge chronologisch unmöglich machte. Reads Erkenntnisse erreichten durch das 2010 erschienene Buch "OK: The Improbable Story of America's Greatest Word" des Linguisten Allan Metcalf ein breites Publikum, und heute besteht in der Sprachwissenschaft ein starker Konsens über diesen Ursprung.
OK, Okay, K: dasselbe Wort in unterschiedlichen Gewändern
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich auch die ausgeschriebene Form "okay" durch – eine phonetische Wiedergabe der Aussprache der Buchstaben "O" und "K", die in formellen Texten bevorzugt wurde, weil sie eher wie ein echtes Wort wirkte. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Wort mit der Verbreitung von Kurznachrichten in die entgegengesetzte Richtung und schrumpfte auf einen einzigen Buchstaben: "k". Ein Wort, das vor zwei Jahrhunderten aus einem Zeitungsscherz entstand, überlebt so heute sowohl in den formellsten Dokumenten (als "okay") als auch in den beiläufigsten digitalen Chats (als einzelnes "k") – eine Flexibilität, die Linguisten selten bei einem einzelnen Wort beobachten. Dass ein Wort gleichzeitig in derart unterschiedlichen Registern überleben kann – formell und informell, gesprochen und geschrieben, lang und kurz –, gilt als seltene sprachliche Leistung und erklärt mit, warum "OK" seit zwei Jahrhunderten Bestand hat.
Ein alltägliches Erbe, das kaum jemand bemerkt
"OK" ist heute so alltäglich, so "unsichtbar" geworden, dass sich kaum jemand daran erinnert, dass sein Ursprung im zufälligen Zusammentreffen eines Zeitungsscherzes und eines Wahlkampfs liegt. Dennoch ist diese Geschichte ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Sprache manchmal auf unerwartete, fast beiläufige Weise geformt wird: Ein bewusster Rechtschreibfehler kann, trifft er auf den richtigen politischen Moment, für mehr als zwei Jahrhunderte zum nahezu universellen Wort der Menschheit werden.
Quellen
- The Hilarious History of 'OK' — Merriam-Webster
- How 'OK' Became America's Favorite Word — History.com
- TBT: When the Word "OK" Was Invented in Boston — Boston Magazine

