Ein gemeinsames Bedürfnis: einmal in der Woche innehalten
In fast allen großen Weltreligionen gibt es die Tradition, einen bestimmten Wochentag von den gewöhnlichen Pflichten freizuhalten und ihn dem Gebet, der Ruhe oder der Gemeinschaft zu widmen. Im Judentum ist dies der Sabbat (Samstag), im Islam der Freitag, in den meisten christlichen Konfessionen der Sonntag. Alle drei Tage beruhen auf dem Siebentagerhythmus der Woche und sind historisch miteinander verknüpft, haben aber jeweils eine eigene theologische Begründung und praktische Form entwickelt.
Der jüdische Sabbat: der siebte Tag der Schöpfung
Der Sabbat geht auf die Schöpfungserzählung der Tora zurück: Gott erschuf die Welt in sechs Tagen und ruhte am siebten. Als eines der Zehn Gebote gilt er als die heiligste Zeit der jüdischen Woche. Er beginnt kurz vor Sonnenuntergang am Freitag und endet nach Einbruch der Dunkelheit am Samstag – insgesamt etwa fünfundzwanzig Stunden. In dieser Zeit sind neununddreißig Kategorien von "Melacha" (schöpferischer Arbeit) untersagt, vom Feuermachen bis zum Fahren eines Fahrzeugs. Es geht nicht nur um körperliche Erholung, sondern um einen bewussten Verzicht auf alltägliches Schaffen zugunsten des Heiligen.
Der Freitag im Islam: Tag des gemeinsamen Gebets
Im Islam gilt der Freitag als wichtigster Tag der Woche, ohne jedoch – anders als der Sabbat – ein vollständiges Arbeitsverbot zu beinhalten. Das Freitagsgebet (Jumu'ah) ist für erwachsene muslimische Männer verpflichtend und ersetzt das Mittagsgebet durch einen gemeinschaftlichen Gottesdienst mit Predigt. Der Koran erwähnt diesen Ruf zum Gebet direkt in der nach dem Tag benannten Sure al-Dschumu'a. Danach können Geschäfte und Handel fortgesetzt werden – der Freitag ist somit weniger ein Ruhetag als ein Tag der gemeinschaftlichen Andacht.
Der Sonntag im Christentum: Erinnerung an die Auferstehung
Die frühen Christen hielten zunächst gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde den Sabbat, verlagerten den Gottesdienst jedoch allmählich auf den ersten Tag der Woche, da die Auferstehung Jesu an diesem Tag stattgefunden haben soll. Als "Tag des Herrn" bekannt, wurde der Sonntag im 4. Jahrhundert durch ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin zum offiziellen Ruhetag erklärt und ging mit der Zeit in das moderne westliche Wochenende über. Die katholische und die meisten protestantischen Kirchen feiern ihren Hauptgottesdienst an diesem Tag, während kleinere Gemeinschaften wie die Siebenten-Tags-Adventisten weiterhin den Samstag begehen.
Gemeinsame Wurzeln, unterschiedliche Schwerpunkte
Dass alle drei Traditionen dem Siebentagerhythmus folgen, ist kein Zufall: Historiker führen diesen Zyklus teils auf die etwa siebentägigen Mondphasen, teils auf die den alten Mesopotamiern heilige Zahl Sieben zurück. Chronologisch ist der Sabbat die älteste der drei Praktiken, und sowohl der Freitag als auch der Sonntag wurden – direkt oder indirekt – von ihm beeinflusst. Dennoch passte jede Religion diesen gemeinsamen Rahmen ihrer eigenen Erzählung an: im Judentum die Vollendung der Schöpfung, im Islam das gemeinschaftliche Gebet, im Christentum der Triumph der Auferstehung.
Unterschiede in der Praxis
Die genauen Anfangs- und Endzeiten des Sabbats sowie seine ausführliche Liste von Verboten machen ihn zum regelreichsten der drei Tage. Der Freitag betrifft nur einen bestimmten Abschnitt des Tages – die Gebetszeit. Der Sonntag hingegen hat sich mit der Zeit eher zu einem kulturellen "freien Tag" als zu einer strengen religiösen Pflicht entwickelt; sein Status als gesetzlicher Feiertag in vielen Ländern ist inzwischen eine gesellschaftliche Regelung, die von seinem religiösen Ursprung unabhängig geworden ist.
Das Wochenende im modernen Leben
Das heute in weiten Teilen der Welt geltende "Wochenende" ist im Grunde eine säkularisierte Verschmelzung dieser religiösen Tage. In westlichen Gesellschaften trägt die Samstag-Sonntag-Ruhepause Spuren sowohl des jüdischen Sabbats als auch des christlichen Sonntags, während manche mehrheitlich muslimische Länder ihre Feiertagsregelung so gestalten, dass der Freitag eingeschlossen ist. Das zeigt, dass wöchentliche heilige Tage über Jahrhunderte hinweg nicht nur den liturgischen Kalender, sondern auch den Arbeits- und Ruherhythmus ganzer Gesellschaften geprägt haben.

